Aktuelles




Lesungen

08.05.2010 Lange Buchnacht Berlin im Kreuzberg Museum, Adalbertstr.95A, Dachetage ab 19.30 Uhr
www.lange-buchnacht.de

19.11.2009 Buchmesse für Migration im Haus der Geschichte Bonn um 17 Uhr

20.09.2009 KulturCafe der Interkulturellen Woche Bonn, Thomas-Mann-Str.1, 11.30 – 14 Uhr

12.09.2009 Abende im Haus am Lilienveen 62, Wesel-Fusternberg um 19.30 Uhr

Veröffentlichung

Am 02.Juni 2009 ist das neue Buch von Margot Bischof und J. Michael Heveling-Fischell im FreePen- Verlag Bonn erschienen.
Zu beziehen über Verlag oder Buchhandel unter der Nummer: ISBN 978-3-938114-44-5. Es kostet 24,90 Euro.

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Fremd werden im eigenen Land
Biographische Spuren und Wandlungen in Deutschland

Buch Cover Fremd werden im eignen Land

Zu den Autoren:

Die Diplom-Pädagogin und freie Künstlerin Margot Bischof blickt auf eine lange Praxistätigkeit in den Bereichen Lebensberatung und Trauerbegleitung, Sozialmanagement, Nachbarschaftshilfe und Weiterbildung zurück. Sie studierte Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Sozialpsychologie, Publizistik und freie Malerei an den Universitäten Bochum, Duisburg, der FU Berlin und der Julius-Hebing-Kunstschule in Kreuzberg. Aufgewachsen in Frankfurt am Main führte sie ihr Lebensweg über München, das Rheinland, Berlin nach Essen, wo sie heute lebt und tätig ist.

Der in Bonn lebende Autor und Sozialwissenschaftler J. Michael Heveling - Fischell verfasst wissenschaftliche Literatur, Kindergeschichten und textet Lieder und Lyrik. Geboren in Wesel am Niederrhein arbeitete er als Facharbeiter, Buchverkäufer, Chemielaborant und Physiotherapeut, studierte Soziologie und Psychologie, ist heute in der Migrations- und Biografieforschung tätig. Sein Arbeitsschwerpunkt am Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM e.V.) ist seit 2001 der Bereich „Migration und Gesundheit“ und führt in diesem Rahmen Workshops und Projekte durch.

Um einen ersten Eindruck über Inhalte und Sprachstils des Buches zu vermitteln füge ich Ihnen drei kleine Auszüge bei:

aus: Wie alles begonnen hat

...In diesem Laden in der Rosenthaler Straße pflegte auch eine alte Omi, die oben im Haus wohnte, ihre Einkäufe zu erledigen. Eines Tages klopfte sie heftig an die Werkstatttüre, stürzte dann mit bleichem Gesicht herein, ließ ihre Einkaufstasche fallen, zitterte und weinte. Ich ergriff ihren Arm, half ihr, sich auf die Bank zu setzen, fragte, ob ich Hilfe in der benachbarten Töpferei holen sollte, die im Gegensatz zu uns über einen Telefonanschluß verfügte. Es dauerte lange bis die alte Frau ihre Fassung wieder erlangt hatte und sich ihre Stimme beruhigte. Was war geschehen? War sie überfallen worden? Hatte sie Herzbeschwerden? Atemnot? War sie gefallen? „Es ist so schrecklich! Ich habe im Laden einen Neger gesehen. Das sind doch Amerikaner. Sagen sie mir ehrlich! Gibt es jetzt Krieg?“ Ich empfand Mitleid und Entsetzen ob dieser Sicht der Welt. Aber an jenem Tag gab es keinen Krieg in der Sophienstraße. Es gab Tee und Schokoladenkekse. Und die alte Frau und ich – wir wurden ganz langsam Freunde.


aus: Ein Wiedersehen

Im Herbst 1945 erfüllt sich für Maria ein Herzenswunsch. Ein Amtsdiener sagte zu meiner Mutter bzw. zu ihrer Schwester: "Von einer von ihnen kommt heute Abend der Mann, welcher weiß ich nicht." Da der Mann meiner Tante bei Stalingrad vermisst war, hoffte meine Mutter, dass es unser Vater ist. Wir gingen gegen Abend in den Ort rein. Meine Mutter traf eine Bekannte...meine Mutter erzählte, und die Frau sagt zu mir: "Na, Elisabeth, da freust du dich wohl sehr!" Ich lache und sage "Ja!". In dem Moment geht eine junge Frau mit einem alten Mann am Krückstock hinter uns vorbei, und der bleibt stehen und sagt: "Maria, bist du das?" Es war mein Vater, der kam aus dem berüchtigten Lager Bad Kreuznach, halb verhungert, dreiviertel verhungert, Wasser in Füßen, Beinen, Händen. Die Füße total vereitert von dem vielen Laufen. Wir haben ihm faktisch die Stiefel von den Beinen schneiden müssen, aber er war da. Ein Arzt half ihm zwar ohne Medikamente, aber mit Heilkräutern...wieder auf die Beine. Wir waren wieder vollständig, und das war schön! Die Dramatik der Wiedersehensszene ist für Maria unvergessene Gegenwart. Ein Bild des Erbarmens, aber für sie ist es schön, ihr Herz kann sich freuen, die Verstreuten sind wieder ganz eins - und nur das zählt.

aus: Ein bedrückender Vorabend

Werner erinnert sich an den Abend des 6. Oktober 1989, den Vorabend des 40. Jahretages der DDR. Trotz düsterer Vorzeichen ist die Führung der DDR gewillt ungebrochen fröhlich zu feiern; Umzüge und Festveranstaltungen sind vorgesehen.

Nun war es aber so... als ich in die Innenstadt kam und was kaufen wollte, da waren dann alle Geschäfte geschlossen, an jeder Straßenecke sah man Bereitschaftspolizei, schwer bis zu den Zähnen bewaffnet. Es war eine unerträglich drückende Stimmung in der ganzen Stadt und ich muss sagen, dass ich keine Angst hatte, es war einfach zu dem Zeitpunkt eine lähmende Wut, ja Wut, Angst vielleicht auch ein bisschen. Es war ein völlig niedergeschlagenes, deprimierendes Gefühl.

Der Druck ist für Werner zu groß, er entzieht sich- vermeintlich- der Zuspitzung. Ich hab mich an dem Abend kurz entschlossen in die Bahn gesetzt und bin nach Potsdam zu einem anderen Bekannten gefahren, um die Sachen in Berlin nicht miterleben zu müssen, einfach rauszukommen...hab gedacht: „du bist draußen“. Eine Illusion, „denk nicht, dass du in neuen Raum gingst...die Stadt wird ziehen auf deinen Zug. Stets kommst du an in dieser Stadt.“ Werner findet in Potsdam eine sehr ähnliche Situation vor. Er besucht mit dem Bekannten einen völlig überfüllten Gottesdienst in Babelsberg, auch hier diskutieren die Menschen leidenschaftlich über die Probleme in der DDR. Werner ist inwendig völlig zerrissen, den äußeren und innen Widersprüchen kann er nicht mehr entfliehen.